Sonntag, 11. September 2016
Tiefe Wasser (2013)
Leistungsschwimmer Kuba (Mateusz Banasiuk) steht unter Druck. Seine Mutter möchte ihren Sohn für sich haben und will, dass Freundin Sylwia (Marta Nieradkiewicz) auszieht. Sein Trainer will, dass er sich mehr anstrengt. Doch Kuba trifft keine Entscheidungen und entzieht sich den Erwartungen. Dass er leistungssteigernde Mittel nimmt, behält er ebenso für sich wie den schnellen Sex mit Männern im Klo der Schwimmhalle. Als er in einer Kunstgalerie Michal (Bartosz Gelner) kennen lernt, scheint zum ersten Mal in Kubas Leben die Möglichkeit auf, sich in einen Mann verlieben. Untertauchen und widerstandslos durchs Leben zu gleiten, funktionieren nicht mehr als Strategie. Sylwia schöpft Verdacht, seine Mutter kann nicht loslassen und für Michal ist kein Platz in seinem Leben reserviert. Verzweifelt sucht Kuba eine Möglichkeit, sich freizuschwimmen.



Wer braucht denn schon eine deutsche Synchronisation, wenn die symbolische Bildsprache für sich steht. Die Geschichte selbst ist ohnehin schnell erzählt. Ein Schwimmer fühlt sich in seiner heterosexuellen Beziehung eingeengt und entdeckt die Homosexualität für sich. Brisanz bekommt das Ganze höchstens durch den politischen Hintergrund des homophoben Polens. Die Inszenierung bleibt dabei behäbig und schwermütig, und sie verharrt vielleicht das ein oder andere Mal zu sehr in der Momentaufnahme. Dennoch kann das Coming Out Drama in seiner offenen Direktheit gefallen, was nicht zuletzt an dem differenzierten Spiel von Hauptdarsteller Mateusz Banasiuk ("Alles, was ich liebe") liegen mag.
Bewertung: 6/10


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